"Mediation ist Konfliktmanagement mit vorgemerktem Lächeln."


... oder sollte man vielleicht sagen "Mediation ist, wenn sich zwei Gegeneinander zum Miteinander treffen."

... oder "Mediation ist das Verhandeln über die Zutaten einer Suppe, die man gemeinsam auslöffelt."

Sie sehen, Mediation hat viele gute und interessante Elemente. Wir möchten Sie informieren und interessieren für die Möglichkeiten der Mediation. Dazu haben wir hier einige Informationen rund um die Mediation für Sie zusammengestellt. Wenn Sie Fragen haben, dann steht Ihnen unser Mediator Herr Rechtsanwalt Thomas Schmidt, gerne zur Verfügung. Einfach anrufen oder schreiben Sie uns einen Brief oder eine Mail, wir freuen uns auf Sie.

Übrigens: Wenn Sie Interesse an einer Mediation haben, aber noch unsicher sind oder Fragen haben, dann können wir gerne ein erstes, unverbindliches Vorgespräch zum Kennenlernen führen. Dieses Vorgespräch (ca. 15 Minuten) kann persönlich oder auch fernmündlich geführt werden und ist kostenfrei.

Was ist Mediation?
Wie hat sich die Mediation entwickelt?
Für welche Konflikte ist Mediation geeignet?
Wann ist eine Mediation ungeeignet?
Neun gute Gründe für eine Mediation!
Was kostet eine Mediation?
Wie läuft eine Mediation ab?
Was ist eine Kurzzeitmediation?
Präsenz-Mediation, Online-Mediation oder Shuttle-Mediation? 
Kann man auch eine Telefonmediation durchführen (Konfliktcoaching)?
Braucht man einen Anwalt oder einen Mediator für die Mediation?

Gibt es ein Mediationsgesetz? 

 


Mediation wird immer bekannter

Nach den Umfrageergebnissen des ROLAND Rechtsreport 2015 (vgl. Pressemitteilung Roland Versicherung v. 22.01.2015) bestätigt sich, dass die Mediation als gute Alternative zum klassischen Streit immer mehr anerkannt wird. Zwei Drittel der Deutschen (68 %) haben schon von dieser Konfliktlösungsmethode gehört und 45 % gehen davon aus, dass man eine rechtliche Auseinandersetzung mit einer Mediation beilegen kann.

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"Talk first! ... Erst zum Mediator"

Das ist der Titel des 1. Deutschen Mediatorentages, der am 16. Juni 2012 in Bonn im World Conference Center stattfand. Organisiert wurde alles von der DGM, zusammen mit der FernUniversität Hagen und dem DFfM. Zahlreiche namhafte Referenten haben Impulsvorträge zu verschiedenen Themen rund um die Mediation gehalten. Alles dreht sich um die Förderung der eigenständigen Mediation insbesondere in Deutschland aber auch in Europa. Das ist auch nötig, weil die Mediation noch längst nicht so bekannt ist, wie dies für eine so gute und erfolgreiche Konfliktlösungsmethode angemessen wäre. Auch muss das wissenschaftliche Fundament ausgebaut, die Forschung in diesem Bereich intensiviert und die Mediation insgesamt professionalisiert werden. Dazu tragen gemeinsame Ausbildungsstandards bei. Diskutiert wurde ferner, ob die Mediation ein eigenständiger Beruf ist oder lediglich eine Zusatzqualifikation, die man sich über den jeweiligen "Grundberuf" hinaus erwirbt.

Auch die Rechtsschutzversicherungen erkennen den Nutzen der Mediation und fördern sie deshalb verstärkt. Klar ist, durch die Mediation werden Kosten gespart, die Konfliktlösung geht schneller und die Parteien sind mit dem Ergebnis wesentlich zufriedener als bei einem Gerichtsverfahren.

Über den aktuellen Stand des Mediationsgesetzes im Gesetzgebungsverfahren hat Herr Prof. Dr. Patrick Sensburg, MdB, Mitglied im Rechtsausschuss, berichtet. Bislang ist es leider nicht zu einer Einigung gekommen, weil einige Bundeslänger noch Bedenken haben, ob und wie die richterliche Mediation berücksichtigt werden soll. Nun habe man eine Arbeitsgruppe gebildet, die nach einem Kompromiss suchen soll. Es wäre wünschenswert, wenn das Mediationsgesetz möglichst bald in Kraft treten könnte [UPDATE: Am 26.07.12 in Kraft getreten, s.u.]. Eine staatliche "Mediationskostenhilfe" ist in dem derzeitigen Gesetzesentwurf nicht vorgesehen. Auf EU-Ebene werden auch neue Richtlinien vorbereitet, nämlich die "ADR-Richtlinie", in der es um Alternative Streitbeilegung geht und die Verordnung über Onlinestreitbeilegung.

Mit Blick auf die Konfliktregelungsmodelle in den USA wurde dann das "Multi-Door-Courthouse" vorgestellt. Ein "Konfliktnavigator" schlägt die für den einzelnen Konflikt am besten geeignete Methode vor. Hier muss man stets prüfen, ob und in welcher Weise sich die verschiedenen Modelle auf die bundesdeutsche Rechts- und Streitkultur übertragen lassen. Weitere wichtige Themen waren darüber hinaus die Konfliktkunde für Kinder. Es ist sicherlich hilfreich, Kinder und Jugendliche möglichst früh über Konfliktlösungsmethoden zu informieren. Auch die wichtige Qualitätssicherung für Mediatoren wurde diskutiert.

Im Vorfeld und während der Veranstaltung wurden verschiedene Forderungen und Aussagen des 1. Deutschen Mediationstages formuliert. Dazu gab es dann einige Impulsvorträge. Anschließend wurde im Plenum diskutiert und abgestimmt. An einzelnen Aussagen entzündeten sich spannende Diskussionen. Wortbeiträge aus den unterschiedlichen Bereichen zeigten, wie vielfältig und qualifiziert Mediatoren sind. Die Abstimmungsergebnisse mit den zugehörigen Aussagen werden demnächst veröffentlicht.

Klar ist, dass die Mediation an Bedeutung gewinnen wird und gewinnen muss. Es gibt viele Wege, einen Konflikt zu lösen. Die Mediation ist dabei eine Autobahn, die gut und schnell hin zu Lösungen führt, aber an einigen Stellen noch ausgebaut werden muss.

(© Bericht von Rechtsanwalt und Mediator Jörg Musiol, Teilnehmer am Mediationstag und Mitglied der DGM)

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Was ist Mediation?


Mediation (von lat. mediatio: Vermittlung) ist ein strukturiertes  Kommunikationsverfahren, mit dem man freiwillig und inhaltlich eigenverantwortlich mit Unterstützung eines neutralen Mediators die Lösung eines Konflikts anstrebt. 

In § 1 Abs. 1 des neuen Mediationsgesetzes findet sich natürlich auch eine "offizielle" Definition:     "Mediation ist ein vertrauliches und strukturiertes Verfahren, bei dem Parteien mit Hilfe eines oder mehrerer Mediatoren freiwillig und eigenverantwortlich eine einvernehmliche Beilegung ihres Konflikts anstreben."

Weitere Details und den Text des Mediationsgesetzes finden Sie bei uns als Download bei "Gibt es ein Mediationsgesetz?").

Das heutige Leitbild der Mediation beruht auf dem sog. Harvard-Konzept, einem klassischen Verhandlungskonzept, das von den Professoren Fischer und Ury an der Harvard-Universität im Jahr 1981 entwickelt wurde. Wesentlich hierbei ist die Unterscheidung zwischen den beteiligten Personen einerseits und andererseits der Sache, um die es geht. Zudem konzentriert man sich nicht auf die vordergründigen Forderungen sondern auf die dahinter stehenden Interessen der Beteiligten.

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Wie hat sich die Mediation entwickelt?


Die Mediation als Vermittlungsverfahren hat sich in den letzten 2000 Jahren entwickelt. Schon im alten Ägypten, aber auch in China und in Japan wurde und wird die Mediation als vorrangige Konfliktlösungsmethode angewendet. In Europa wird die Mediation seit dem Mittelalter praktiziert. Zu erwähnen ist der Westfälische Frieden, der im Jahre 1648 den Dreißig-jährigen Krieg beendete. Nach schwierigen Verhandlungen konnte der Friedensvertrag unter Mitwirkung des auf einem zeitgenössischen Bild ausdrücklich als "Mediator" bezeichneten Aloysius Contareno (oder Alvise Contarini) verhandelt und abgeschlossen werden. Seit langem ist in den USA die Mediation üblich. Seit Ende der 70er Jahre wird auch in Deutschland dieses Konfliktlösungsverfahren eingesetzt, zunächst überwiegend im Familienrecht. Seitdem hat sich aber die Mediation auch auf anderen Rechtsgebieten etabliert. Seit Ende der 90-er Jahre gibt es eine sog. gerichtsinterne Mediation, bei der sog. Güterichter eingesetzt werden. Anders die sog. gerichtsnahe Mediation, bei der auf Anraten des Richters und nach Zustimmung aller Parteien das bereits laufende Gerichtsverfahren ausgesetzt wird, um ein Mediationsverfahren außerhalb des Gerichts bei einem unabhängigen, externen Mediator durchzuführen.

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Für welche Konflikte ist Mediation geeignet?

Die Mediation sollte die erste Wahl sein, wenn die Konfliktparteien in einem "besonderen Verhältnis" zueinander stehen und z.B. die Fortführung der (Geschäfts-) Beziehung gewünscht wird. Die Parteien haben ein beiderseitiges Interesse daran, trotz des Konflikts auch in Zukunft miteinander umzugehen. Gut geeignet ist eine Mediation in der Regel bei Konflikten in folgenden Bereichen:

Im ARBEITSBEREICH bei Konflikten zwischen Arbeitnehmern untereinander oder zwischen Vorgesetzten, besonders zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, zwischen Betriebsrat und Arbeitgeber, ebenso bei Mobbing u.s.w..
Bei GESELLSCHAFTEN hat sich die Mediation bewährt bei Konflikten zwischen den Gesellschaftern, zwischen Geschäftsführer und Gesellschaftern u.s.w..
In der WIRTSCHAFT z.B. bei Konflikten zwischen Unternehmern, zwischen Handwerkern und ihren Auftraggebern.
In FAMILIEN und bei ERBEN, wenn es beispielsweise um Trennung, Scheidung, Sorge- und Umgangsrecht oder um Erbauseinandersetzungen geht.
Im Bereich der SCHULE bei Konflikten zwischen Schülern, Lehrern und/oder Eltern.
Natürlich gibt es noch viele weitere Bereiche, in denen die Mediation sinnvoll ist, z. B. bei Nachbarstreitigkeiten, in Bauangelegenheiten, im öffentlichen Bereich, im Strafrecht im Rahmen eines Täter-Opfer-Ausgleichs und auch in der Politik.

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Wann ist eine Mediation ungeeignet?


Obwohl die Mediation bei fast jeder Konfliktart eingesetzt werden kann, gibt es natürlich auch Situationen, in denen eine Mediation nicht sinnvoll ist. Das hängt aber vom Einzelfall ab. Es gibt z. B. Konflikte, die bereits so weit eskaliert sind, dass selbst eine Mediation unmöglich ist. Ein anderer Grund kann in der fehlenden Bereitschaft einer Partei liegen, sich auf eine Mediation einzulassen. Ein wenig Mut, sich auf diesen Weg zu begeben, gehört also dazu.

Doch selbst dann, wenn man eine endgültige Trennung anstrebt und in Zukunft kein besonderes Verhältnis mehr bestehen sollte, kann eine Mediation hilfreich sein, um die Verhandlungen zu einem guten Ergebnis zu führen, einem Ergebnis, das mehr ist als ein Kompromiss.

 

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Neun gute Gründe für eine Mediation!


1. Schnelligkeit: Die Mediation ist schneller als ein Gerichtsverfahren. Nach einer Studie der Europa-Universität Viadrina dauert ein arbeitsgerichtliches Verfahren im Schnitt 190 Tage, während eine Arbeitsmediation nur 13,2 Tage in Anspruch nimmt. Ähnlich positiv wird der Zeitvergleich auch in anderen Bereichen ausfallen.

2. Erfolg: Eine Mediation ist überdurchschnittlich oft erfolgreich. Untersuchungen zeigen, dass die Erfolgsquote einer Mediation bei ca. 70 bis 80% liegt.

3. Zufriedenheit: Studien (Europa-Universität Viadrina mit PriceWaterhouseCoopers) belegen, dass "die außergerichtlichen Konfliktbearbeitungsverfahren aus Sicht der Unternehmen deutlich mehr Vorteile aufweisen als das Gerichtsverfahren". Nur 30% der Parteien sind mit dem Ergebnis eines Gerichtsverfahrens zufrieden. Dagegen liegt die Zufriedenheit der Parteien einer Mediation bei über 80%. Durch Kooperation werden Lösungen zum beiderseitigen Nutzen gesucht, also win-win-Situationen geschaffen.

4. Flexibilität: Die Mediation ist eine zusätzliche Möglichkeit, andere Wege stehen weiterhin offen. Sollte die Mediation nicht zum Erfolg führen, kann man immer noch bei Gericht klagen.

5. Selbstbestimmung: "Vor Gericht und auf hoher See ist man in Gottes Hand!." Vielleicht kennen Sie diese Behauptung. Bei der Mediation ist das anders. Hier hat man selbst in der Hand, wohin die Reise geht. Die Parteien entscheiden selbst, ob sie die Mediation durchführen wollen. Bei der Suche nach Lösungen kann man kreativ sein. Man hat aber auch die Freiheit, notfalls abzubrechen. Ob man am Schluss der Mediationsvereinbarung zustimmt, entscheidet jeder für sich. Das eigenverantwortliche Handeln und Entscheiden der Parteien steht im Vordergrund des Mediationsverfahrens. Hier besteht die Möglichkeit, sein eigener Richter zu sein.

6. Durchsetzung: Das Ergebnis einer Mediation ist auch (zwangsweise) durchsetzbar. Die Parteien schließen am Ende des Mediationsverfahrens eine Vereinbarung. Diese Vereinbarung ist ein verbindlicher Vertrag, der mit Unterstützung von Anwälten, Notaren und/oder einem Gericht sogar für vollstreckbar erklärt werden kann.

7. Neutralität: Der Mediator ist absolut neutral und "allparteilich". Er ist jeder Partei gleichermaßen verpflichtet, beide Parteien werden von ihm unterstützt und gefördert. Zusammen mit den Parteien schafft der Mediator eine "Brücke", über die die Parteien freiwillig und selbstbestimmt zu einer Lösung gelangen können. War der Mediator vorher in derselben Sache schon tätig, z. B. als Anwalt, muss er die Mediation ablehnen. Wenn die Mediation scheitert, darf der Mediator später keine der Parteien in derselben Sache als Anwalt vertreten (vgl. § 3 Mediationsgesetz).

8. Vertraulich: Im Gegensatz zu Gerichtsverfahren ist alles, was im Rahmen einer Mediation besprochen und vereinbart wird, vertraulich. Das wird gleich zu Beginn vereinbart. Etwas anderes gilt nur, wenn das Gesetz es verlangt, eine Offenlegung zur Umsetzung der Vereinbarung nötig ist, das Wohl z.B. eine Kindes dies erfordert oder bei offenkundigen - bzw. bedeutungslosen Tatsachen. All dies ist bereits in dem Mediationsgesetz (vgl. dort § 4) geregelt. Die Vertraulichkeit gilt übrigens auch dann, wenn die Mediation scheitert und es später zu einem Gerichtsverfahren kommen sollte. Selbstverständlich gilt die Verschwiegenheitspflicht genauso für den Mediator, bei einem späteren Gerichtsverfahren steht ihm ein Zeugnisverweigerungsrecht zu.

9. Kosten: Die Mediation ist in der Regel günstiger als ein streitiges Gerichtsverfahren, insbesondere wenn man die Kosten in Relation zu einer möglichen Dauer des Gerichtsverfahrens setzt. Dazu erfahren Sie an anderer Stelle mehr.

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Was kostet eine Mediation?


Die Mediation ist in der Regel günstiger als ein streitiges Gerichtsverfahren, insbesondere wenn man die Kosten in Relation zu einer möglichen Dauer des Gerichtsverfahrens setzt. Beispielsweise dauert in der ersten Instanz ein Arbeitsgerichtsprozess durchschnittlich 3-7 Monate, ein Amts- oder Landgericht benötigt ca. 4-8 Monate für ein Urteil und beim Sozial- und Verwaltungsgericht kann es sogar mehr als 2 Jahre dauern, bis ein Urteil gefällt wird. Alles verlängert sich erheblich, wenn eine Partei Berufung und/oder Revision einlegt und weitere Gerichtsinstanzen zu durchlaufen sind. Die Kosten für ein Gerichtsverfahren werden nach dem sog. Streitwert ermittelt. Dabei wird all das, über das man streitet, in Geld umgerechnet. Auf dieser Basis berechnet man dann die Anwaltsvergütung und die Gerichtskosten. Zwischen Anwalt und Mandant können auch andere, abweichende Abrechnungsvarianten vereinbart werden.

Bei uns wird eine Mediation nach Zeit auf Basis einer bestimmten STUNDENVERGÜTUNG abgerechnet. Die Höhe des Stundensatzes hängt von verschiedenen Faktoren ab, so z.B. die Qualifikation des Mediators, die Bedeutung des Konflikts und natürlich die Gesamtdauer der Mediation. Der Mediator wird gleich am Anfang den Stundensatz mit den Parteien besprechen. Ein telefonisches Vorgespräch zur Klärung, ob eine Mediation überhaupt sinnvoll erscheint, ist KOSTENLOS. 

Darüber hinaus ist zu klären, WER die Kosten trägt, ob also eine Partei alles bezahlt oder die Kosten in einem bestimmten Verhältnis zwischen den Parteien aufgeteilt werden oder vielleicht ein Dritter (z.B. der Arbeitgeber) die Kosten übernimmt. Bei zwei Parteien ist eine Kostenteilung je zur Hälfte üblich. Man kann aber auch etwas anderes vereinbaren.

Wie lange eine Mediation DAUERT, hängt vom Konfliktgegenstand, der Komplexität und natürlich von den Parteien ab. Möglich ist auch, eine zeitliche Obergrenze zu vereinbaren. Normalerweise kann man aber mit 3 bis 10 Stunden pro Mediation rechnen.

Übrigens: Viele Rechtsschutzversicherungen haben die Vorteile der Mediation erkannt und tragen die Kosten bis zu einem festgelegten Höchstsatz. Allerdings darf die Kostenübernahme für eine anwaltliche Beratung nicht "zwangsweise" von der vorherigen Durchführung eines Mediationsversuchs abhängig gemacht werden. Eine solche Klausel im Rechtsschutzversicherungsvertrag ist als unangemessene Benachteiligung des Versicherungsnehmers unwirksam (OLG Frankfurt a.M., Urteil vom 09.04.2015, 6 U 110/14).

Wie oben schon gesagt: Wenn Sie Interesse an einer Mediation haben, aber noch unsicher sind oder Fragen haben, dann können wir gerne ein erstes, unverbindliches Vorgespräch zum Kennenlernen führen. Dieses Vorgespräch (ca. 15 Minuten) kann persönlich oder auch fernmündlich geführt werden und ist kostenfrei.  Wir freuen uns auf Sie.

 

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Wie läuft eine Mediation ab?


Der Ablauf einer Mediation wird den Parteien von dem Mediator in einem Vorgespräch oder direkt am Anfang der Mediation erklärt. Er unterstützt und führt durch alle Phasen. Eine Gliederung des Mediationsverfahrens in fünf Stufen/Phasen ist sinnvoll:

Stufe 1: Vorbereitung und Erläuterung

Eine oder beide Parteien nehmen Kontakt mit dem Mediator auf. Es wird geklärt, worum es geht und wer beteiligt werden muss. Der Mediator nimmt Kontakt mit jeder Partei auf und lässt sich vorab kurz erklären, worum es geht. Kosten und Ablauf der Mediation werden besprochen, genauso wie die Verhandlungsregeln. Besonders wichtig ist bereits hier die Vereinbarung der Vertraulichkeit. Nur so ist es möglich, dass die Parteien mit Offenheit und gegenseitigem Respekt, unter Verzicht auf Drohungen und in aller Vertraulichkeit die Gespräche führen können. Wenn aber der Mediator nach seinen Vorgesprächen meint, eine Mediation ist nicht sinnvoll, lehnt der Mediator den Auftrag ab. Nur wenn die Mediation sinnvoll ist UND alle Parteien die Mediation durchführen möchten, wird ein gemeinsamer Mediationsvertrag abgeschlossen.

Stufe 2: Sammlung der Themen = Worum geht es?

In einer Bestandsaufnahme wird gemeinsam besprochen, worum es in dem Konflikt geht, die Fakten werden gesammelt. Jede Partei bekommt die Gelegenheit, die für sie wichtigen Gesprächsthemen vorzustellen.

Stufe 3: Interessenklärung = Was ist den Parteien wichtig und warum?

Dies ist eine entscheidende Phase! Hier unterstützt Sie der Mediator, die Interessen und Bedürfnisse hinter den Themen zu erkennen und zu klären. Oft sind nämlich die Themen nur die Spitze des Eisbergs. Die eigentlich relevanten und maßgeblichen Interessen verbergen sich "unsichtbar" unter der Oberfläche. Die beidseitigen Motive und Beweggründe sind außerordentlich wichtig, um eine tragfähige Lösung für die Zukunft zu finden. Gelingt die Klärung der Interessen, dann entsteht Verständnis auf beiden Seiten. Das ist ein wichtigen Schritt auf dem Weg zu einer zukunftsfähigen Einigung.

Stufe 4: Lösungsideen sammeln, bewerten und relevante Lösungen auswählen = Was ist denkbar und was ist möglich?

Nun werden Lösungsoptionen gesammelt. Hier darf jeder frei und kreativ sein, damit man möglichst viele Ideen zur Lösung des Konflikts findet. Die Vielzahl der Lösungsideen wird dann genauer betrachtet und bewertet. Eine wesentliche Rolle spielt hierbei auch die praktische Umsetzbarkeit. Gemeinsam wird ausgewählt, welche Lösungen für beide Parteien akzeptabel und sinnvoll sind.

Stufe 5: Abschlussvereinbarung

Schließlich werden die gemeinsam ausgewählten Lösungen in eine konkrete Form "gegossen". Die Mediationsvereinbarung wird gemeinsam formuliert und abgestimmt. Darin legen Sie auch fest, was noch für die praktische Umsetzung nötig ist (nächste Schritte). Selbstverständlich können sich die Parteien hierbei auch durch eigene Experten, wie z.B. Anwälte, Steuerberater oder sonstige Fachleute, unterstützen lassen. Das Ziel der Mediation ist erreicht, wenn eine Lösung zum allseitigen Nutzen gefunden (win-win) und der Konflikt zukunftsorientiert und langfristig beigelegt ist. Gratulation, Sie haben es geschafft!


Eine solche Mediation kann je nach Konfliktgegenstand und je nach Mitwirkung der Parteien einige Stunden dauern. Diese Zeit ist auch erforderlich, um den gordischen Knoten, also den festgefahrenen Konflikt, gemeinsam zu analysieren und zu lösen.

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Was ist eine Kurzzeitmediation?

Eine Kurzzeitmediation ist eine reguläre Mediation, die in einem vorher definierten, engen Zeitrahmen stattfindet. Bei vielen Konflikten (gerade im Arbeitsrecht) bewilligt der Arbeitgeber oft nur einige Stunden zu Durchführung der Mediation. Der Mediator wird hier sorgfältig prüfen, ob der Konflikt innerhalb der vorgegebenen zeitlichen Grenzen überhaupt sinnvoll zu bearbeiten ist. Um das zu prüfen, wird sich der Mediator in Vorgesprächen mit jeder Parteien selbst einen Überblick über den aktuellen Konflikt verschaffen. Wenn die Mediation sinnvoll ist, erstellt der Mediator vorab ein zeitliches Konzept für die Mediation, das er bei dem ersten gemeinsamen Treffen mit den Parteien bespricht. Dann kann die Mediation beginnen, wobei die bereits dargestellten Grundsätze und der Ablauf auch hier eingehalten werden, es gilt auch hier die uneingeschränkte Vertraulichkeit.

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Was versteht man unter einer Präsenz-Mediation, einer Online-Mediation oder einer Shuttle-Mediation??


Der Regelfall ist die Präsenz-Mediation. Hierbei treffen sich die Parteien mit dem Mediator an einem gemeinsam vereinbarten Ort. Grundsätzlich kann man die Mediation überall durchführen, wo man in Ruhe miteinander reden kann und vielleicht noch ein Flipchart zur Verfügung steht. Der Ort ist also frei vereinbar. Natürlich stehen hierfür die Räume der Kanzlei von ADJUREM zur Verfügung. Wenn die Parteien das wollen, kommt der Mediator aber auch zu ihnen. Man kann sich zu Hause bei einer Partei treffen, im Büro (natürlich nur, wenn der Arbeitgeber einwilligt oder es ihn sogar betrifft) oder auch in einem Hotel.

Anders ist es, wenn die Parteien eine sog. Online-Mediation durchführen möchten. Dann finden die Mediation "elektronisch" statt, man trifft sich also nicht persönlich. Parteien und Mediator tauschen sich hier insbesondere per E-Mail und/oder in einem vertraulichen Onlineforum aus. Natürlich kann man ergänzend auch mal zum Telefon greifen. Der Vorteil der Onlinemediation liegt in der Freiheit von Zeit und Ort, auch Fahrt- und Unterbringungskosten fallen weg. Große Entfernungen schrumpfen auf einen Tastendruck zusammen. Der Nachteil besteht insbesondere in dem fehlenden persönlichen Kontakt und dem fehlenden unmittelbaren Eindruck von den Persönlichkeiten. Wichtige nonverbale Signale (Mimik, Gestik, Stimmlage etc.) fehlen, das reduziert die Kommunikation. Zwangsläufig treten dadurch auch die Emotionen mehr in den Hintergrund, was durchaus die Einigungsbereitschaft fördern kann. Wenn sich also die Parteien gerade diese Distanz wünschen, dann ist das in Ordnung.

Bei der Shuttle-Mediation (engl. to shuttle = pendeln, hin- und herfahren) tauschen sich die Parteien nicht direkt sondern ausschließlich über den Mediator aus. Das geschieht meist telefonisch und/oder per Mail, aber auch über einen virtuellen Konferenzraum. Der Mediator vermittelt dabei die Kommunikation und den Informationsaustausch. Erst spricht der Mediator mit einer Partei, dann mit der anderen. Die wesentlichen Informationen werden dann vom Mediator zusammengefasst und weitergegeben. Wenn die Parteien im Einzelgespräch mit dem Mediator bestimmte Informationen als vertraulich bezeichnen, werden diese natürlich nicht weitergegeben. Dadurch kann der Mediator umfassend informiert werden, um ein besseres Verständnis für den Konflikt zu entwickeln. In den Gesprächen werden sämtliche Phasen der Mediation durchlaufen, bis -im besten Fall- eine einvernehmliche Lösung gefunden ist. Wesentlich ist, dass auch bei einer Shuttle-Mediation die Neutralität und die Allparteilichkeit des Mediators wie auch die Vertraulichkeit der Informationen gewahrt bleiben.

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Kann man auch eine/ein Telefonmediation/Konfliktcoaching durchführen?


Ja, selbstverständlich! Die klassische Mediation erfordert einen gleichzeitigen persönlichen Kontakt aller Parteien und des Mediators. Das ist hilfreich, geht aber nicht immer. Die Gründe für eine Telefonmediation sind vielfältig, z.B. Zeitmangel, weite räumliche Distanzen oder weil eine Terminabstimmung für ein Treffen schwierig ist. Letztlich kommt es darauf an, was die Parteien wollen. Eine Telefonmediation ist immer besser als keine Mediation. Hier bietet sich eine Chance, die Sie nutzen sollten, um aus dem Konflikt herauszukommen.

Wie funktioniert eine Telefonmediation?  Sie rufen uns an und besprechen mit dem Mediator, worum es geht. Sofern Sie einverstanden sind, wird eine Mediationsvereinbarung abgeschlossen, Sie überweisen den besprochenen Betrag. Dann nimmt der Mediator mit der anderen Partei Kontakt auf und stellt fest, ob dort ebenfalls die Bereitschaft zu einer Telefonmediation besteht. Wenn ja wird das weitere Vorgehen gemeinsam abgestimmt. Auch mit der anderen Partei wird dann eine Mediationsvereinbarung getroffen. In gemeinsamen- und/oder abwechselnden Telefonaten führt dann der Mediator durch die Mediation. Alle Parteien werden gleichermaßen informiert, die Gesprächsergebnisse werden regelmäßig schriftlich festgehalten. Gemeinsam und systematisch wird der Konflikt analysiert und -möglichst- auch gelöst. Zum Schluss wird eine gemeinsame Abschlussvereinbarung formuliert.

Bewährt hat sich in der Praxis die gezielte, schnelle Konfliktberatung oder das Konfliktcoaching per Telefon. Dabei untestützt der Mediator nur EINE Partei bei der Bewältigung von Konflikt- und Krisensituationen. Auf Wunsch können Sie mit dem Mediator auch eine "Telefonbereitschaft" vereinbaren. Er ist dann schnell erreichbar und kann Sie unmittelbar im Konflik beraten, egal wo man sich gerade aufhält. Gerade im Krisenfall ist es sehr beruhigend, wenn man weiß, dass man schnell und einfach telefonische Unterstützung bekommt.

 

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Braucht man einen Anwalt oder einen Mediator für die Mediation?

Jain! Für die klassische Mediation braucht man einen unparteiischen Mediator und die Parteien. Aber … der Mediator erteilt normalerweise keinen Rechtsrat, er hat die Parteien nur auf die Möglichkeit hinzuweisen, z. B. die abschließende Vereinbarung vor Abschluss von einem externen Berater prüfen zu lassen (vgl. § 2 Abs. 6 MediationsG). Gerade wenn bereits vorher Anwälte beauftragt wurden, die mit den Besonderheiten des Falles vertraut sind, und bei komplexeren Themen ist es sinnvoll und nützlich, den eigenen Anwalt bei Bedarf auch im Mediationsverfahren zu beteiligen. Zwingend ist das nicht, oft aber hilfreich. 

Der Vollständigkeit möchten wir erwähnen, dass man in bestimmten Fällen auch keinen überparteilichen Mediator braucht ! Es gibt nämlich neben der Mediation nämlich noch andere Verfahren der alternativen Streitschlichtung, die weniger bekannt aber gut sind. Zu nennen ist hier insbesondere die sog. KOOPERATIVE PRAXIS. Dabei übernehmen die Anwälte (die allerdings als Mediator ausgebildet sein müssen!) sowohl die Rolle des Beraters als auch -wechselseitig- die Rolle des Mediators. Der Ablauf des Verfahrens ist der gleiche wie in der Mediation, man bewegt sich gemeinsam durch die hier dargestellten 5 Stufen. Wichtig ist bei der Kooperativen Praxis, dass sich beide Anwälte vorher schriftlich verpflichten, im Falle des Scheiterns der Verhandlungen die Parteien in einem eventuellen Folgeprozess oder einen Schlichtungsverfahren NICHT anwaltlich zu vertreten. Hierdurch sind Parteien und Anwälte besonders motiviert, die Kooperativen Praxis engagiert zu betreiben. Außerdem ist unbedingte Vertraulichkeit zu wahren. Nach einer Untersuchung soll die Erfolgsquote der Kooperativen Praxis sogar rund 87 % betragen. Ein sicherlich interessantes Verfahren. Wenn Sie daran Interesse haben, sprechen wir gerne mit Ihnen oder auch mit Anwälten, die das Verfahren der Kooperativen Praxis durchführen möchten.

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Gibt es ein Mediationsgesetz?

Ja, am 26.07.2012 ist das Mediationsgesetz (vgl. BGBl. I, S. 1577) in Kraft getreten!

Begonnen hat alles mit der EU-Richtlinie 2008/52/EG vom 21.05.2008, der sog. Europäische Mediationsrichtlinie (kurz: Mediations-RL). Daraufhin erstellt das Bundesjustizministerium den Referentenentwurf eines Mediationsgesetzes. Die Bundesregierung stimmt dem mit Beschluss vom 12.01.2011 als Regierungsentwurf zu. Das Ziel dieses Mediationsgesetzes ist die gesetzliche Regelung der außergerichtlichen und gerichtsinternen Mediation. Hier finden Sie den Regierungsentwurf als PDF-Datei (Quelle: BMJ; Stand 08.12.2010).

Am 18.03.2011 hat der Bundesrat zu dem Entwurf des Mediationsgesetzes Stellung genommen. Obwohl sich der Bundesrat grundsätzlich positiv äußerte, so die Pressestelle des Bundesrates, werden dennoch fachliche Änderungen verlangt, um den Bedürfnissen der Praxis besser gerecht zu werden. Die Stellungnahme des Bundesrates vom 18.03.2011 finden Sie hier (Quelle: Bundesrat).

Der Deutsche Bundesrat hat dann in der Sitzung am 14.04.2011 über die Förderung der Mediation und anderer Verfahren der außergerichtlichen Konfkliktbeilegung (Drucksachen 17/5335 (= Gesetzentwurf) und 17/5496) beraten. Bei der Drucksache 17/5496 vom 13.04.2011 handelt es sich um die Gegenäußerung der Bundesregierung zu der Stellungnahme des Bundesrates. Nun erfolgt eine weitere Beratung des Gesetzentwurfes im Rechtsausschuss.

In seiner Sitzung vom 30.11.2011 hat der Rechtsausschuss dem Mediationsgesetz mit den von ihm vorgeschlagenen Änderungen einstimmig zugestimmt. Hier finden Sie die Drucksache BT-Drs. 17/8058 (Quelle: Deutscher Bundestag) als PDF-Datei. Die Ziele des Gesetzes sind u.a., die Streitkultur in Deutschland zu verbessern, zudem soll die außergerichtliche Mediation gestärkt und gefördert werden. Am 15.12.2011 hat der Deutsche Bundestag dieser Beschlussempfehlung zugestimmt.

Nun hat allerdings der Bundesrat Bedenken entwickelt und deshalb am 10.02.2012 beschlossen (vgl. Drucksache BR 10/12(B), als PDF-Datei; Quelle: Deutscher Bundesrat), den Vermittlungsausschuss mit folgendem Ziel anzurufen: "Zur Aufrechterhaltung der Methodenvielfalt außergerichtlicher Konfliktbeilegung soll die richterliche Mediation in den Prozessordnungen ausdrücklich verankert werden."

Am 27.06.2012 einigte sich endlich der Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat. Man kommt überein, dass der Güterichter auch weiterhin die gerichtsinterne Streitschlichtung durchführen darf. Allerdings ist die Bezeichnung "Mediator" nur außergerichtlichen Streitschlichtern vorbehalten. Am 28.06.2012 nimmt dann der Bundestag die Beschlussempfehlung des Vermittlungsausschusses (BT-Drs. 17/10102) zum Mediationsgesetz an. Der Bundesrat wiederrum hat dann am 29.06.2012 beschlossen (BR-Drs. 377/12(Beschluss)), gegen das vom Deutschen Bundestag am 15.12.2011 und am 28.06.2012 verabschiedeten Gesetz keinen Einspruch gemäß Artikel 77 Absatz 3 des Grundgesetzes einzulegen.

Der Bundespräsident hat am 21.07.2012 das "Gesetz zur Förderung der Mediation und anderer Verfahren der außergerichtlichen Konfliktbeilegung" unterzeichnet. Dann wurde das Gesetz am 25.07.2012 im Bundesgesetzblatt (BGBl. I, S. 1577) veröffentlicht und ist nun am 26.07.2012 in Kraft getreten. Nach der ersten EU-Richtlinie (Art. 12 der Richtlinie 2008/52/EG vom 21.05.2008) hätten die Vorgaben der Richtiline von den Mitgliedstaaten eigentlich bis zum 21.05.2011 umgesetzt werden müssen. Nun ja, gut Ding will eben Weile haben.

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